Ein Gastartikel von Viola Schwarzbach – Autorin und spirituelle Begleiterin

In einer Welt, in der Technologie unseren Alltag dominiert, wenden sich immer mehr Menschen alten Weisheiten und überlieferten Naturpraktiken zu. Eine davon ist die Geomantie – eine Lehre, die versucht, die unsichtbaren Kräfte der Erde zu erkennen, zu deuten und mit ihnen in Einklang zu leben.

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter diesem mystisch klingenden Begriff? Und was haben sogenannte Leylinien damit zu tun?

Leylinien-Karte Europa – die wichtigsten Kraftadern (Karte erstellt mit Open Street Map).

Was ist Geomantie?

Das Wort Geomantie stammt aus dem Griechischen – geo bedeutet Erde, manteia steht für Weissagung. Ursprünglich war damit eine Form der Wahrsagung gemeint, bei der aus der Erde oder dem Sand gezeichnete Muster gedeutet wurden.

Im modernen Verständnis hat sich der Begriff jedoch gewandelt: Heute wird Geomantie als eine Art ganzheitliche Raumwahrnehmung verstanden, bei der der Mensch mit dem energetischen Feld seiner Umgebung in Verbindung tritt.

Geomantie umfasst dabei Aspekte wie Leylinien, aber auch Kraftorte wie Quellen und Höhlen. Bäume spielen ebenfalls eine besondere Rolle.

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Was sind Leylinien?

Leylinien werden in der Geomantie als gerade Linien betrachtete, die sich durch die Erde ziehen. An diesen Linien wirken besondere Kräfte, sodass sich auf den Leylinien besonders viele Kraftorte befinden.

Doch diese Vorstellung greift viel zu kurz.

Eigentlich handelt es sich bei den Leylinien um stromähnliche Energieverläufe, vergleichbar mit Adern, die sich durch den Erdboden ziehen. Diese Linien werden maßgeblich durch Kraftorte beeinflusst (hier spielt auch die Polarität zwischen männlichen und weiblichen Kraftorten eine große Rolle). An diesen Orten verdichten sich diese Energieströme, wodurch im Zusammenspiel mit der Beschaffenheit des jeweiligen Ortes besondere geologische Formen entstehen, zum Beispiel:

Diese Orte wirkten schon in der Steinzeit auf Menschen, die an diesen Stellen Tempel und Heiligtümer errichteten oder Höhlen und Felsen als Opfer- und Kultstätten nutzen.

Die Energie fließen zwischen starken Kraftorten. Sie suchen den kürzesten Weg, weswegen tatsächlich von „Linien“ gesprochen werden kann. Tatsächlich folgen Kraftadern jedoch nicht exakt geraden Bahnen, sondern wirken dynamisch, organisch und leicht geschwungen – ähnlich wie das Erdmagnetfeld, das auch keinen streng geometrischen Strukturen folgt. Die Vorstellung von geraden Linien ist ein typisch männliches wissenschaftliches Prinzip und basiert noch auf dem 19. Jahrhundert, als der Mann als Krone der Schöpfung galt – vergleiche: Die Unterdrückung des Urweiblichen.

Der Verlauf der Leylinien bzw. Energieströme ist übrigens nicht in Stein gemeißelt, ähnlich wie das Erdmagnetfeld. Natürliche Katastrophen können die Verläufe dieser Adern beeinflussen. Vulkanausbrüche, tektonische Verschiebungen oder Ereignisse wie der Meteoriteneinschlag im Nördlinger Ries können Kraftlinien umlenken oder verstärken. Das Netzwerk bleibt lebendig und entwickelt sich gemeinsam mit der Erde weiter.

Roman über Leylinien:

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Wichtige europäische Kraftorte im Leylinien-Netz

Hinweis: Im Folgenden werde ich mich auf die wichtigsten Kraftorte in Europa, Ägypten und Anatolien beschränken. Natürlich gibt es auch viele weitere bedeutende Kraftorte in Amerika, Afrika, Asien und Australien, doch das würde den Rahmen sprengen.

Deutschland: Die Externsteine

In Deutschland gilt ein Ort als besonders intensiver Knotenpunkt der Kraftadern: die Externsteine im Teutoburger Wald. Die Felsformation zieht seit Jahrtausenden Menschen an – von steinzeitlichen Siedlern über heidnische Kulturen bis zu mittelalterlichen Mystikern. Von hier aus strahlen mehrere bedeutende Leylinien aus, die Europa, Afrika und Asien miteinander verbinden (vgl. Das Externstein-System von Klaus Piontzik).


England: Stonehenge und Glastonbury Tor

Stonehenge liegt auf einer der stärksten bekannten Linien in Europa. Ebenso der Glastonbury Tor, der seit der Jungsteinzeit als spirituelles Zentrum gilt. Beide gilt man als Ankerpunkte der „Michael-Linie“ – ein west-ost verlaufender Energiebogen.

Österreich: Der Untersberg

Der Untersberg wird in alten Überlieferungen als „Zeitberg“, „Wunderberg“ oder „magischer Berg“ beschrieben. Er liegt auf der Linie, die von den Externsteinen über Süddeutschland bis nach Hallstatt und weiter Richtung Balkan führt.

Malta: Steinzeittempel & Hypogäum Hal Saflieni

Malta ist übersät mit steinzeitlichen Tempeln. Das unterirdische Heiligtum Hal Saflieni gilt als einer der stärksten Energiepunkte des Mittelmeerraums – ein Resonanzpunkt im Netz der Kraftadern.

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:G%C3%B6bekli_Tepe,_Urfa.jpg; nicht verändert

Türkei: Göbekli Tepe

Als ältester bekannter Tempelkomplex der Menschheit passt Göbekli Tepe perfekt in die Vorstellung eines weltumspannenden Netzwerks: Die Bauherren wählten den Platz wahrscheinlich bewusst aufgrund energetischer oder astronomischer Eigenschaften.

Sphinx and the Great pyramid in Egypt, Giza

Ägypten: Tal der Könige & Pyramiden von Gizeh

Kaum ein Ort bündelt so deutliche Hinweise auf uraltes Wissen wie die Giseh-Pyramiden. Sie liegen auf mehreren bedeutenden Verbindungslinien – darunter auch einer Linie, die bei den Externsteinen ihren Ursprung hat.

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Zentrale Leylinien in Europa mit Leylinien-Karten

1. Zentrale Kraftader: Externsteine – Pyramiden / Tal der Könige

Eine der wichtigsten Linien führt von den Externsteinen über Süddeutschland, den Alpenraum, die Balkanregion bis hinunter nach Ägypten.

Auf oder sehr nah an dieser Linie liegen unter anderem:

Diese Route verbindet einige der ältesten Kulturen Europas direkt mit dem geistigen Zentrum des alten Ägyptens.


2. Nordischer Kraftstrom: Externsteine – Steintanz Boitin – Kap Arkona – Gotland

Eine weitere Nordlinie, die auffällig viele Orte mit prähistorischer oder kultischer Bedeutung verbindet:

  • Steintanz Boitin (steinzeitlicher Steinkreis)
  • Kap Arkona auf Rügen – alter Kultort der Slawen, aber auch Grabstätte in der Steinzeit
  • weiter über die Ostsee bis nach Gotland, wo zahlreiche Megalithanlagen liegen

Diese Linie wird oft als „nordischer Kraftstrom“ bezeichnet. Sie verlängert sich aber tatsächlich bis Fatima in Portugal.


3. Der „Himmelsweg“: Externsteine – Kosackenberg (Kyffhäuser) – Mittelberg Nebra – Sonnenobservatorium Goseck

Eine der spannendsten Linien, da sie archäologisch gesicherte astronomische Zentren verbindet:

Zusammen ergibt sich eine Art mitteldeutsche Himmelslinie, die sich nach Süden und Norden weiterführen lässt.

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4. Die Meridianlinie der Externsteine

Die Meridianlinie verläuft nicht exakt entlang eines geografischen Meridians, sondern ist leicht gekippt. Sie gilt im Buch als eine der präzisesten Linien des Systems, da viele Orte mit nur geringer Abweichung auf oder nahe dieser Linie liegen.

Orte entlang der Meridianlinie:

  • Externsteine
  • Marsberg
  • Marburg
  • Felsenmeer Odenwald
  • Neckargemünd
  • Kloster Maulbronn
  • Haigerloch
  • Der Ippinger Riese bei Tuttlingen (Kreuzungsort von fünf Leylinien)
  • Hohentwiel (Singen)
  • Genua
  • Cagliari
  • Ghadames (Libyen)

Diese Linie erstreckt sich über mehr als 2.400 Kilometer und zeigt nach geodätischer Berechnung eine bemerkenswert geringe Streuung der Abstände.

5. Die Westlinie der Externstein-Pyramide

Die Westlinie verläuft in Richtung Südwesten und wird im Buch mit der Idee von Atlantis und westlichen Mysterienorten in Verbindung gebracht. Sie folgt dem geometrischen Winkel des Quadraturdreiecks.

Orte entlang der Westlinie:

  • Externsteine
  • Paderquellen (das energetisches Equivalent zu den Externsteinen / weiblicher Kraftort)
  • Balver Höhle
  • Laacher See
  • Bitburg
  • Luxemburg
  • Höhle von Rouffignac
  • Lourdes
  • Madrid
  • Gibraltar
  • Lanzarote (als Richtungsangabe in Richtung Atlantis)

Die höchste Übereinstimmung zeigt sich zwischen den Externsteinen und Gibraltar. Madrid und Lanzarote werden als weiter entfernte Referenzpunkte diskutiert, wobei Lanzarote ausdrücklich symbolisch verstanden wird.

(vgl. Das Externstein-System von Klaus Piontzik)

6. Stonehenge – Rom – Gizeh: Die große West-Ost-Linie

Eine andere starke Verbindung verläuft von Stonehenge über den europäischen Kontinent nach Südosten:

  • sie führt durch Rom, das ebenfalls seit der Antike auf älteren Heiligtümern und Kreuzungen gebaut wurde
  • und endet schließlich in Gizeh bzw. noch exakter im Tal der Könige bei Luxor.

Diese Linie zeigt, dass das Netzwerk der Kraftadern europaweit miteinander verflochten ist.

7. Die Michaelslinie

Die Michaelslinie ist eine bekannte Leylinien-Vorstellung aus Europa. Sie beschreibt eine gedachte Linie von Nordwest nach Südost, die mehrere bedeutende Michaelis-Heiligtümer und alte Kraftorte verbindet. Besonders auffällig ist, dass viele dieser Orte dem Erzengel Michael geweiht sind – einer Figur, die häufig mit Drachen, Kampf, Licht und Schutz in Verbindung steht.

Spirituell wird die Linie oft als männliche Energieachse gedeutet: geradlinig, kämpferisch, ordnend. Die christlichen Michaelis-Orte wurden dabei bewusst auf älteren, vorchristlichen Kraftorten errichtet.


Wichtige Orte entlang der Michaelslinie

  • Skellig Michael (Irland)
    Frühchristliches Kloster auf einem steilen Felsen im Atlantik, möglicherweise auf einem älteren Kultplatz.
  • St Michael’s Mount (England)
    Inselheiligtum mit langer vorchristlicher Nutzung.
  • Glastonbury Tor (England)
    Mythologisch stark aufgeladener Ort; Michaeliskirche auf einem prähistorischen Hügel.
  • Mont-Saint-Michel (Frankreich)
    Dramatisch gelegenes Kloster auf einem Granitfelsen im Meer.
  • Sacra di San Michele (Italien)
    Monumentales Kloster hoch über dem Susatal.
  • Monte Sant’Angelo (Italien)
    Bedeutendstes Michaelis-Heiligtum Südeuropas, angeblicher Erscheinungsort des Erzengels.
  • Jerusalem
    In erweiterten Deutungen endet die Linie hier, nahe bedeutender religiöser Zentren.

Kraftorte in Deutschland mit herausragender geomantischer Bedeutung

Dabei steht stets das Ziel im Mittelpunkt, Orte so zu gestalten, dass sie Wohlbefinden, Klarheit und Kraft fördern.

Fazit: Lausche der Erde

Geomantie lädt uns ein, die Welt mit anderen Augen zu sehen – nicht nur als physisch-materielle Umgebung, sondern als lebendigen Organismus, mit dem wir in Beziehung stehen.

Ob man an Leylinien glaubt oder nicht, spielt dabei keine entscheidende Rolle. Vielmehr geht es um die Bereitschaft, sich auf die feinen Schwingungen des Lebensraums einzulassen – auf das, was unter der Oberfläche verborgen liegt.

Vielleicht liegt darin auch ein Schlüssel für eine neue Verbindung zur Natur – eine Verbindung, die wir in unserer modernen Zeit mehr denn je brauchen.