Hoch über dem Weisachtal thront sie auf einem markanten Felsen: die Burgruine Lichtenstein, ein faszinierender Ort zwischen Geschichte, Legenden und Natur. Die einst stolze Feste liegt in den Haßbergen bei Pfarrweisach, nahe der Grenze zu Thüringen, und zieht nicht nur Wanderer, sondern auch Geschichtsinteressierte und Naturfreunde an – und nicht zuletzt jene, die das Geheimnisvolle suchen.

Die Burgruine mit dem Schneiderloch

Die Ruinen der Nordburg sind noch immer sehr eindrucksvoll – allen voran der Bergfried, aber auch die mächtigen Mauern des Palas und der Kemenate. Unter dem ehemaligen Palas der Nordburg befindet sich das sagenumwobene „Schneidersloch“ – eine kleine Felshöhle, der ein düsterer Ruf vorauseilt. Der Legende nach soll hier einst ein böser Schneider gehaust haben, der sowohl Reisende als auch Burgbewohner ausraubte und ermordete. Als man ihn schließlich fasste, soll er mit glühenden Nadeln und Scheren zu Tode gefoltert worden sein – ein grausames Ende für einen ebenso grausamen Täter.

Tatsächlich wurde die Höhle jedoch erst im 19. Jahrhundert zu einem Lagerkeller erweitert – archäologische Spuren aus dem Mittelalter fehlen. Dennoch entwickelte sich das Schneidersloch im Laufe der Zeit zu einem magnetischen Ort für Mythen, Mutmaßungen und spirituelle Deutungen. Besonders in den 1980er Jahren wurde es zu einem Zentrum der esoterischen Aktivitäten rund um den Lichtenstein – bis zur späteren Sanierung der Burgruine war es ein beliebter Treffpunkt für jene, die hier besondere Energien vermuteten.

Öffnungszeiten und Eintritt der Burgruine Lichtenstein

Die Burgruine ist ganzjährig geöffnet und kostet keinen Eintritt. Hunde sind erlaubt – an der Leine. Im Eingangsbereich können gekühlte Getränke erworben werden (Selbstbedienung).

Die Südburg: Noch erhalten, aber in Privatbesitz

Weniger bekannt, aber ebenfalls historisch bedeutsam ist die Südburg, die direkt neben der Ruine liegt. Diese ist nicht verfallen, sondern steht noch – und befindet sich heute in Privatbesitz. Ein Zugang für Besucher ist daher nicht möglich. Bei Burg Lichtenstein handelt es sich um eine Ganerbenburg – durch die Teilung des Erbes bauten verschiedene Familienzweige eine eigene Burg direkt neben der bereits bestehenden.

Bärenhöhle am Sagenpfad

Der Sagenpfad: Walfisch, Teufelstein und andere Felsgestalten

Wer die Umgebung erkundet, sollte sich den Sagenpfad rund um die Burgruine nicht entgehen lassen. Er führt durch den Wald vorbei an skurrilen Felsformationen, die mit etwas Fantasie lebendig wirken. Dazu gehören der Walfisch-Felsen sowie der Tränenfels. Der Überlieferung nach soll dort einst ein evangelisches Fräulein von Lichtenstein gesessen haben, das bittere Tränen um ihren katholischen Geliebten vergoss. Eine Heirat war wegen des Konfessionsunterschieds lange unmöglich. Der junge Mann stammte von der nur wenige Kilometer entfernten Amtsburg Rauheneck bei Vorbach, die damals zum Hochstift Würzburg gehörte. Trotz aller Widerstände fand das Paar schließlich doch noch zusammen – doch das Glück währte nur kurz: Der Bräutigam verstarb wenige Tage nach der Hochzeit. Seitdem, so heißt es, weine der Felsen selbst um den Rauhenecker Junker. Und tatsächlich: Auch an heißen Sommertagen tritt an dieser Stelle feines Schichtenwasser aus dem Gestein, das in leisen Tropfen zu Boden fällt – als würde der Fels seine Trauer niemals vergessen.

Etwa 500 Meter von der heutigen Burg entfernt liegt im Wald ein eindrucksvoller Felsburgstall, der Teufelsstein. Möglicherweise ist hier der Stammsitz der Herren vom Stein zu lokalisieren. Der „Teufelsstein“ kann auch der Sitz eines der Untervasallen der von Stein gewesen sein, die Burgstelle wurde jedenfalls bereits im Hochmittelalter verlassen. Eine Ritzung soll belegen, dass der Teufel mit einem Lichtensteiner Ritter ein Mühle gespielt – und verloren hat. Dazu muss der massive Felsen erklommen werden, was aber relativ einfach möglich ist.

Auch hier ist die Grenze zwischen Naturwunder und Legende fließend – und gerade das macht den Reiz aus.

Fazit

Die Burgruine Lichtenstein bei Pfarrweisach ist mehr als nur ein Wanderziel. Sie ist ein Ort, an dem sich Geschichte, Natur und Mythos auf faszinierende Weise begegnen. Ob man nun auf den Spuren mittelalterlicher Ritter, geheimnisvoller Sagen oder einfach schöner Landschaft unterwegs ist – hier wird jeder Besuch zum kleinen Abenteuer. Und wer weiß – vielleicht flüstert einem das Schneiderloch ja doch ein altes Geheimnis zu.

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