von Viola Schwarzbach – Autorin und spirituelle Begleiterin
Die Natur ist durchzogen vom männlichen und weiblichen Prinzip, die sich als männliche und weibliche Kraftorte manifestieren können. Eine Gegend mit einer besonders starken Polarisierung, durch die dazu die Leylinie zwischen den Externsteinen und den Pyramiden von Giezeh verläuft (oder vielmehr: strömt – siehe: Leylinien in Deutschland und Europa) ist die Fränkische Schweiz. Hier liegen starke weibliche Kraftorte (vor allem Höhlen wie die als Kulthöhle genutzte Esperhöhle) sowie männliche Kraftorte in Form von hoch aufragenden Felsen und Felsplateaus (z.B. der Staffelberg bei Bad Staffelstein).
Die wichtigsten weiblichen Kraftorte in der Fränkischen Schweiz
1. Die Esperhöhle bei Burggaillenreuth – eine keltische Opferstätte
Die Esperhöhle liegt oberhalb des Wiesenttals auf rund 440 Metern Höhe. Die ringförmigen Felsen, die sich um den Höhleneingang gruppieren, ähneln einem Amphitheater – und der Eingang zum Klingloch ähnelt einer Vulva. Kein Wunder, dass die Esperhöhle als Kultstätte genutzt wurde! Tatsächlich wurde in der Höhle eine Vielzahl menschlicher Knochen und Artefakte aus der Späthallstatt- und Frühlatènezeit gefunden. Auf dem nahegelegenen Schlossberg befinden sich dazu die Reste einer keltischen Befestigungsanlage.
Die Esperhöhle ist, ähnlich wie die Versturzhöhle Riesenburg, eigentlich eine Höhlenruine. Sie besteht aus mehreren Grotten, Einbrüchen und Nebenräumen. Das sogenannte Klingloch ist ein etwa 22 Meter tiefer Schacht, der nur mittels Einseiltechnik begehbar ist. Am Boden befinden sich mehrere Wasserbecken mit durchgehenden Tropfsteinen (Stalagnaten) in der Höhlenwand. Als nachweisliche Opferhöhle und Kultstätte ist sie der stärkste weibliche Kraftort in der Fränkischen Schweiz.
Mehr lesen: Kraftort Esperhöhle

2. Die Jungfernhöhle bei Tiefenellern – die „Mutter“ aller Opferhöhlen
Die Jungfernhöhle liegt etwa 15 Kilometer östlich von Bamberg und wurde in der Stein- und Bronzezeit sowie in der Keltenzeit und im Mittelalter als Opfergrube benutzt. Während der Ausgrabungen wurden einerseits Bandkeramik-Gefäße sowie als Essstäbchen interpretierte Knochenstäbchen aus der Jungsteinzeit gefunden. Noch spektakulärer waren die Skelett- und Schädelreste von mindestens 40 Menschen, die alle vor etwa 6000 Jahren gelebt haben. Die Skelette waren alle unvollständig und lagen zerstreut. Zunächst wurde von den Forschern Kannibalismus vermutet. Schnitt- oder Feuerspuren konnten an den Knochen jedoch nicht nachgewiesen werden. Es handelte sich deswegen wohl eher um ein spezielles Totenritual. In der Nähe der Höhle wurden Reste einer Befestigungsanlage aus der Bandkeramik-Zeit gefunden, ähnlich wie bei der Esperhöhle – nur tausende von Jahren zuvor. Besonders interessant ist die Tatsache, dass bereits vor der Entdeckung der menschlichen Überreste im Jahre 1958 lokale Sagen über spukende kopflose Jungfrauen im Bereich der Höhle gab. Dies legt eine mündliche Tradierung der mutmaßlichen Opferrituale von der der Bandkeramik bis in die Neuzeit nahe.
Mehr lesen: Kannibalismus in der Fränkischen Schweiz?
3. Die Tummler bei Oberleinleiter

Tummler – wasserführend und ausgetrocknet
Im Trockental der Leinleiter, nördlich von Oberleinleiter und der Heroldsmühle, befindet sich der bekannteste Tummler der Fränkischen Schweiz. Dabei handelt es sich um eine periodisch stark schüttende Karstquelle. Das Tal ist die meiste Zeit im Jahr trocken. Insbesondere zur Schneeschmelze oder nach starken Regenfällen beginnen die Karstquellen zu sprudeln und überschwemmen das Tal. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, im zeitigen Frühjahr zur Schneeschmelze barfuß durch das kalte Wasser zu waten – das aktiviert nicht nur das Immunsystem, sondern verbindet dich ebenfalls mit der Natur und, da die Tummler eine starke weibliche Kraftquelle sind, auch mit dem Urweiblichen. Wenn du dir das Bild der Quelle genau ansiehst, kannst du zudem ein Gesicht sehen. Es sieht so aus, als würde das Wasser der Karstquelle wie Tränen aus einem Auge strömen.
Die Tummler bei Oberleinleiter
5. Die Muschelquelle bei Streitberg

Die Muschelquelle liegt in der Fränkischen Schweiz nordöstlich von Streitberg unterhalb der „Glatten Wand“ in einem engen, felsenumschlossenen Tal. Am oberen Ende entspringen neben der Muschelquelle zwei weitere kleine Quellen, deren Wasser in eine Kneippanlage geleitet wird. Das Quellwasser der Muschelquelle tritt als Schichtquelle aus Mergeln des Oberjura zu Tage. Es lagert sich Kalktuff ab, der eine Zeit lang in einem großen Gebiet unterhalb der Quelle abgebaut wurde. Dieses entstand in der Warmzeit vor etwa 120.000 Jahren. Aus diesen Kalktuffsteinen wurde das Quellhaus der Muschelquelle im Jahre 1910 errichtet. Etwas oberhalb der Quelle befindet sich die kleine Karsthöhle Schneiderloch. Sie ist etwa 50 Meter lang und führt bei Regen manchmal Wasser. Die Muschelquelle ist ein starker natürlicher Kraftort. Da sie zugleich ein beliebter Rastplatz ist, empfiehlt sich ein Besuch zu Randzeiten – insbesondere am frühen Morgen und unter der Woche.
6. Das Felsenloch bei Plech

Im Felsenloch bei Plech, einer Schachthöhle, wurden Schmuck, Geschirr und Scherben aus der Bronzezeit sowie Knochenresten von 49 Menschengefunden. Die Funde stammen aus der Frühen Bronzezeit (1800-1600 v. Chr.) bis hin zur Keltenzeit. In zwei jüngeren Schichtpaketen barg man Skelettreste von 49 Menschen, darunter Männer, Frauen und Kinder. Der Einstiegsschacht führt 5 Meter in die Tiefe, eine weitere Erdspalte mit unterirdischem Eingang ist zehn Meter tief. Die Höhle wurde mittlerweile eingezäunt und darüber wurde ein Metallgitter gebaut, sodass du einfach und bequem von oben in den Schacht hinunterblicken kannst.
7. Die Lillachquelle mit ihren Sinterstufen

Die Lillachquelle liegt auf einer Hochfläche nahe Oberrüsselbach und Lilling. Die Quelle wird jedes Jahr zu Ostern geschmückt (vgl. Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz). Aus der Quelle ergießt sich ein Bach, der durch eine Schlucht ins Tal nach Weißenohe strömt und dabei malerische Sinterterrassen bildet. Das streng geschützte naturparadies beherbergt unter anderem die Wasseramsel. Leider führt der Fluss heute nur noch wenig Wasser, sodass viele der Sinterstufen trocken liegen. Dennoch lohnt sich eine kleine Wanderung. Da es sich um ein sehr beliebtes Ausflugsziel handelt, empfiehlt sich ein Besuch unter der Woche und am frühen Morgen.
Die Macht weiblicher Kraftorte
Auf mich üben insbesondere Höhlen eine nahezu magische Anziehungskraft aus. Auf mich wirkt hier eine besondere Urkraft. Während es den meisten (Männern) nur darum geht, die Höhle zu erforschen, in jeden Winkel einzudringen und in möglichst jede Spalte hinabzusteigen und manche Höhlen zum Party machen nutzen und sogar Feuer entfachen (ein absolutes No-Go in einem geschützten Naturraum!!!), fühle ich mehr. Viel mehr.
In einer Höhle spüre ich eine Verbindung zum Urweiblichen.
Was ist überhaupt das Urweibliche?
Darstellungen von Frauen – wie etwa die berühmten Venusfiguren von Hohlefels oder Willendorf – gehören zu den ältesten figürlichen Kunstwerken der Menschheitsgeschichte. Vermutlich stellten sie eine Muttergöttin da und hatten kultische Bedeutung. Das Weibliche nahm in der frühen Menschheitsgeschichte offenbar eine zentrale, hochgeschätzte Rolle ein: im Zentrum stand die Urmutter, die uns allen das Leben geschenkt hat. Eindeutig männliche Darstellungen tauchten erst wesentlich später auf.
Das Urweibliche steht für Schöpfungskraft, für Reichtum und Fülle, für ein glückliches Leben im Einklang mit der Natur.
Das Urmännliche hingegen steht für Ordnung und Unterwerfung. Als Gegenpol zum Urweiblichen stört das Urmännliche den Kreislauf der Natur – versinnbildlicht beispielsweise durch die Schlange im Garten Eden (Adam hätte sicherlich ganz genauso zum Apfel gegriffen, wenn die Schlange sich zuerst an ihn gewandt hätte – wenn auch nicht aus Neugier, sondern nur aus wissenschaftlichem Interesse).
Lebten die Menschen zuvor im Einklang mit der Natur, machte sich das Urmännliche die Erde untertan – mit weitreichenden und dramatischen Folgen wie Krieg, Unterdrückung der Frau, Sklaverei und der Zerstörung der Natur. Dies ist kein alleiniges Phänomen der Neuzeit – die Römer haben Wälder in Nordafrika und im Nahen Osten gefällt (z.B.) Libanon, die Wikinger haben die Wälder Islands abgeholzt und es gibt noch viele weitere Beispiele.
Worauf möchte ich hinaus?
Wir leben in einer künstlichen, hochtechnisierten Welt (man kann auch sagen: einer vergifteten Welt!), geformt vom Menschen (und vor allem von Männern). Es ist an der Zeit, diesem etwas entgegenzusetzen und wieder eine Verbindung zur Natur einzugehen.
Natürlich ist es nicht realistisch (und, so ehrlich sollte man sein, auch nicht erstrebenswert – z.B. beim Gedanken an Häuser mit Heizung oder moderner (Zahn-)Medizin mit Schmerzmitteln), wieder komplett im Einklang mit der Natur zu leben wie einst. Doch wir können uns rückbesinnen, und achtsam mit der Natur und auch mit unseren Mitmenschen umgehen. Ein erster Schritt dazu ist es, die Natur wieder neu zu entdecken – und dabei können uns Kraftorte helfen.
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