Wandern auf der Spur eines alten Heiligtums

Die etwa 20 Kilometer lange Teufelsmauer ist ein absolutes Highlight eines jeden Besuchs im Harz. Sie verläuft von den Gegensteinen bei Ballenstedt bis zum Großvaterfelsen nach Blankenburg. Jeder Abschnitt bietet eigene Highlights. Dazu ist es möglich, die gesamte Mauer entlangzulaufen. Besonders interessant ist dazu das Wissen, dass sich hier seit der Steinzeit Kultplätze und Wohnstätten befanden. Im Folgenden stelle ich euch die markantesten Felsen der Teufelsmauer vor – von Ballenstedt in westlicher Richtung bis Blankenburg.

Die Gegensteine bei Ballenstedt

Die Gegensteine sind große, blockförmige Abschnitte der Teufelsmauer. Der Große Gegenstein (243,6 Höhe) lässt sich mittels in den Fels geschlagener Stufen und Treppen besteigen. Auf seinem Gipfel wurde 1863 im Auftrag des Fürsten von Anhalt-Bernburg ein Kreuz errichtet. Vom Gipfel bietet sich ein weiter Ausblick über das Harzvorland und zum Hochharz. Der Kleine Gegenstein (ca. 230 Höhe) liegt etwa 450 Meter westlich des Großen Gegensteins. Zwischen den beiden Felsen befindet sich laut einer Sage ein Zeitloch.

Die Teufelsmauer bei Weddersleben auf dem Königstein

Besonders faszinierend ist die Teufelsmauer bei Weddesleben nordöstlich von Thale dank markanter Einzelfelsen auf dem Königstein. Am westlichen Ende befindet sich der Teufel, auch Westturm genannt. Besonders markant ist der Adlerfelsen, der mit einer Höhe 185 m ü. NHN höchste Punkt des Königsteins. Weitere markante Teile sind östlich hiervon die Großmutter und die Lange Wand. Hier erweckt die Teufelsmauer tatsächlich den Eindruck, als Mauer geschaffen worden zu sein, wie es in der Sage erzählt wird.

Kucksburg und Orakelfelsen

Der Orakelfelsen, im Hintergrund die Kucksburg

Westlich befindet sich der Kucksburgfelsen. Hier stand einst eine Burg, von der jedoch nicht mehr viel zu sehen ist.

Gegenüber, auf der anderen Talseite, Richtung Hamburger Wappen, liegt der Orakelfelsen. Vertiefungen und Löcher lassen Forscher vermuten, dass es sich einst um eine Spielstätte bzw. eine Art Kugelbahn gehandelt haben könnte. Runde Gegenstände (vielleicht auch Totenköpfe?) wurden in die Tiefe gerollt, mit dem Ziel, durch eine weitere Öffnung zu kullern. Ob das stimmt? Die Vorstellung ist jedenfalls faszinierend. Der Orakelfelsen wird nicht ausgeschildert, lässt sich aber über Google Maps finden – einfach den schmalen Pfaden durch den Wald folgen. Vorteil der Abgeschiedenheit: möglicherweise hast du die Stätte ganz für dich.

Das Hamburger Wappen bei Timmenrode

Weiter westlich im Wald liegt die Felsformation „Hamburger Wappen“. Die drei steilaufragenden Felsnadeln der Sandsteinformation ähneln dem Wappen der Hansestadt Hamburg mit dessen drei Türmen. Unterhalb der Felsformation erstreckt sich auf der Südseite ein kleiner Talkessel. Hier liegen die „Kuhställe“ genannten Felshöhlen. Gegenüber erstreckt sich die Höhle Teufelsloch an deren Außenseite die Rittertreppe entlangführt. Dabei handelt es sich um in den Fels geschlagene Vertiefungen. Ein ungesicherter Aufstieg ist sehr gefährlich! Auf der Nordseite des Hamburger Wappens führt ein Pfad bis an die Zinnen heran. Über die in den Fels geschlagene 15-stufige Zinnentreppe ist ein Aufstieg zwischen die Zinnen möglich.

Der Kammweg bis Blankenburg

Vom Hamburger Wappen führt ein schmaler Pfad über den Kamm der Teufelsmauer über Felsformationen wie den Teufelssessel und den Cäsarfelsen bis zum markanten Aussichtspunkt Großvaterfelsen. Der Weg ist teilweise mit einem Geländer gesichert, dazu sind immer wieder Felsstufen zu überwinden. Gewisse Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind auf diesem Abschnitt von Vorteil.

Der Großvaterfelsen

Der Großvaterfelsen bildet den Abschluss der Teufelsmauer östlich von Blankenburg. Der Aufstieg ist nicht ganz ohne – die in den Felsen geschlagenen Stufen sind teils stark verwittert. Doch wer es nach oben geschafft hat, hat eine herrliche Aussicht. Von hier aus erstreckt sich der Blick weit bis zur Burgruine Regenstein und zum Großen Schloss von Blankenburg.

Die Teufelsmauer und das versunkene Heiligtum

Die markanten Felsen der Teufelsmauer erregten schon in der Steinzeit die Aufmerksamkeit der Menschen. Das belegen zahlreiche Funde aus der Vergangenheit. Teilweise wurden Höhlungen wohl auch als Wohnsitz genutzt. Der Regionalforscher Walter Diesing ging noch einen Schritt weiter und stellte einen Zusammenhang zwischen zwölf verschiedenen markanten Landschaftsformen her. Seine These: hier im Harz erstreckte sich einst ein großes Heiligtum, das aus verschiedenen Kultstätten bestand. Dazu gehörten auch der Großvater- und Großmutterfelsen, der Kucksburgfelsen und der Königsstein – alle drei Felsformationen sind Teil der Teufelsmauer. Mit diesem Wissen erscheint ein Besuch der Teufelsmauer noch spektakulärer als sowieso schon.

Die Sage um die Teufelsmauer

Zahlreiche Sagen ranken sich um die Entstehung der Teufelsmauer. Diese entstanden aber wohl erst im Mittelalter. Am bekanntesten ist die Folgende:

 „Vor grauer Zeit kam der Teufel mit dem Herrn überein, Gütertrennung vorzunehmen. Der Harz aber sollte sein Herrschaftsbereich sein. So wetteten sie miteinander, dass er das Gebiet haben dürfe, wenn es ihm gelänge, in einer einzigen Nacht eine Mauer darum zu ziehen, hoch schwer und eisern wie die Bauwerke der Kaiser. Gesagt, getan, das Mauerwerk wuchs in der Dunkelheit. Da ließ der Herr eine Bäuerin aus Timmenrode mit ihrem Hahn im Korb zu Markte gehen und sie über einen kleinen Kiesel stolpern. Da reckte der Hahn im Korb den Hals und begann zu krähen. Der Teufel glaubte, die Nacht sei zu Ende und schleuderte vor Wut den Schlussstein gegen das Bauwerk, so dass nur noch Bruchstücke stehenblieben.“

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