Ich hatte mich schon darauf gefreut: Im September sollte es für mich zum ersten Mal zu Rhein in Flammen in Oberwesel gehen. Das Hotel war gebucht, die Reise geplant und die Vorfreude entsprechend groß.

Nun wurde die Veranstaltung abgesagt. Acht Tage vor dem geplanten Termin.

Der Grund ist das anhaltende Niedrigwasser des Rheins. Die für Rhein in Flammen benötigten Schiffe können unter den aktuellen Bedingungen nicht sicher fahren. Auch die Feuerwerksfähre kann nicht eingesetzt werden. Dazu kommen Sicherheitsbedenken, weil wichtige Rettungs- und Einsatzmöglichkeiten auf dem Rhein nicht mehr gewährleistet werden können.

Die Entscheidung selbst kann ich nachvollziehen. Wenn die Sicherheit der Besucher und der Besatzungen nicht gewährleistet werden kann, kann man einen Schiffskorso dieser Größenordnung nicht einfach stattfinden lassen.

Acht Tage vorher ist ziemlich kurzfristig

Enttäuscht bin ich trotzdem.

Das Niedrigwasser kam nicht plötzlich. Der Rhein führt bereits seit längerer Zeit sehr wenig Wasser. Dass die Schifffahrt irgendwann zum Problem werden könnte, war deshalb absehbar. Genau hier hätte ich mir eine frühere Auseinandersetzung mit möglichen Alternativen gewünscht.

Ich kenne die internen Abläufe und Entscheidungen der Veranstalter natürlich nicht. Von außen wirkt es aber so, als hätte man sich erst etwa zwei Wochen vor der Veranstaltung zusammengesetzt, um über mögliche Alternativen zu sprechen, anstatt frühzeitig wirklich verschiedene Szenarien zu entwickeln.

Die endgültige Absage kam dann tatsächlich sehr kurzfristig. Für Besucher, die Hotels gebucht, Anreisen geplant und sich auf die Veranstaltung eingestellt haben, ist das nicht besonders befriedigend.

Eine Veranstaltung wie Rhein in Flammen lässt sich natürlich nicht einfach ein paar Tage vorher umplanen. Da hängen Schiffe, Feuerwerk, Sicherheitskonzepte, Rettungskräfte, Unterkünfte, Gastronomie und viele weitere Beteiligte dran. Auch für das Feuerwerk selbst dürften Kosten entstehen, wenn es kurzfristig abgesagt werden muss.

Gerade deshalb wäre es interessant zu wissen, welche Alternativen im Vorfeld überhaupt geprüft wurden. Denn wenn der Rhein über längere Zeit Niedrigwasser führt, sollte man sich meiner Meinung nach nicht erst kurz vor der Veranstaltung fragen, was passiert, wenn die Schiffe nicht fahren können.

Ein Plan B müsste nicht zwingend bedeuten, Rhein in Flammen einfach unverändert an Land stattfinden zu lassen. Man könnte auch grundsätzlich überlegen, welche Bestandteile der Veranstaltung sich unabhängig vom Wasserstand organisieren lassen.

Rhein in Flammen ohne Schiffskorso?

Natürlich gehört der Schiffskorso zu Rhein in Flammen dazu. Die beleuchteten Schiffe auf dem Rhein, die Burgen am Ufer und anschließend das Feuerwerk ergeben zusammen das besondere Bild, wegen dem die Menschen kommen.

Genau diese Abhängigkeit vom Wasserstand ist allerdings auch eine Schwachstelle.

Niedrigwasser wird am Rhein immer wieder vorkommen. Angesichts trockener Sommer dürfte das Thema eher wichtiger als unwichtiger werden. Eine Veranstaltung, die stark davon abhängig ist, dass der Fluss an einem bestimmten Wochenende genügend Wasser führt, könnte deshalb langfristig ein flexibleres Konzept gebrauchen.

Sind Feuerwerke noch zeitgemäß?

Damit bin ich bei einem zweiten Punkt, über den ich bei Rhein in Flammen nachdenke.

Ich mag organisierte Feuerwerke. Es findet an einem festgelegten Ort statt, dauert nicht ewig und ist im Vergleich zum privaten Böllern an Silvester sehr gut kontrollierbar.

Beim Silvesterfeuerwerk sehe ich die Sache deutlich kritischer. Das Geknalle beginnt vielerorts schon Tage vor Silvester. An Silvester selbst wird teilweise ab Mittag bis weit in die Nacht geböllert. Für Haustiere ist das eine Katastrophe, aber auch Wildtiere werden massiv gestört. Wer schon einmal an Silvester mitten im Wald war, weiß außerdem, dass auch dort die Böller zu hören sind. Dazu kommen immer wieder Menschen, die betrunken oder einfach völlig verantwortungslos mit Pyrotechnik umgehen.

Ein besonders extremes Beispiel war der Berliner Influencer Atallah Younes, der zum Jahreswechsel 2024/25 eine Rakete durch ein geöffnetes Fenster in eine Berliner Wohnung schoss. Der Vorfall wurde gefilmt und in sozialen Netzwerken verbreitet. Gegen Younes wurde anschließend ermittelt.

Für mich spricht vieles für ein klares Verbot des privaten Silvesterfeuerwerks. Bei professionellen Veranstaltungen ist meine Haltung eine andere. Ich finde ein gut organisiertes Feuerwerk nach wie vor toll.

Allerdings stellt sich auch dort die Frage, ob große Feuerwerke bei anhaltender Trockenheit und zunehmenden Problemen mit Wald- und Vegetationsbränden noch überall die beste Lösung sind.

Drohnen statt Feuerwerk?

Eine Drohnenshow könnte hier eine interessante Alternative sein.

Das würde den Charakter von Rhein in Flammen natürlich verändern. Ein Feuerwerk ist etwas anderes als eine Lichtshow mit Drohnen. Gerade die Verbindung aus Feuerwerk und Rhein macht die Veranstaltung für viele Besucher attraktiv.

Trotzdem könnte es sich lohnen, neue Konzepte auszuprobieren. Eine Veranstaltung muss sich schließlich nicht für immer exakt so entwickeln, wie sie vor Jahrzehnten begonnen hat.

Vielleicht ist genau jetzt ein guter Zeitpunkt, darüber nachzudenken, wie Rhein in Flammen in zehn oder zwanzig Jahren aussehen soll.

Der Weinmarkt findet trotzdem statt

Ganz ausfallen wird mein Wochenende in Oberwesel jedenfalls nicht.

Der Oberweseler Weinmarkt findet wie geplant statt. Vom 10. bis 14. September können Besucher dort Wein probieren und die Stadt erleben.

Rhein in Flammen dürfte für viele Besucher der eigentliche Höhepunkt des Wochenendes gewesen sein. Mich interessiert deshalb, wie viele Menschen trotzdem nach Oberwesel kommen und wie sehr die Absage bei den Gastronomen, Winzern und anderen touristischen Betrieben zu spüren sein wird.

Ich werde versuchen, mit einigen Leuten ins Gespräch zu kommen. Mich interessiert, wie die Menschen vor Ort die Situation sehen und ob sie die kurzfristige Absage für nachvollziehbar halten. Vielleicht bin ich mit meiner Enttäuschung ja auch nicht alleine.

Mein erster Besuch bei Rhein in Flammen muss warten

Ich war tatsächlich noch nie bei Rhein in Flammen. Wenn ich irgendwann einen neuen Versuch starte, wird es wahrscheinlich nicht Oberwesel sein.

Die diesjährige Absage hat mir gezeigt, wie abhängig die Veranstaltung hier von der Schifffahrt und damit letztlich vom Wasserstand des Rheins ist. Ich würde bei einem zweiten Versuch deshalb eher einen Veranstaltungsort wählen, bei dem auch ohne Schiffskorso ein umfangreiches Programm stattfinden kann.

Für Oberwesel tut mir die Absage natürlich leid. Eine solche Veranstaltung bringt viele Besucher in die Stadt und sorgt für volle Hotels, Restaurants und Weinstuben. Gerade deshalb wäre eine frühere Planung von Alternativen aus meiner Sicht sinnvoll gewesen.

Trotzdem freue ich mich auf den Rhein

So enttäuscht ich von der Absage bin: Auf meinen Aufenthalt freue ich mich trotzdem.

Der Rhein braucht kein Feuerwerk, um schön zu sein.

Die Loreley steht natürlich auf meinem Programm. Die berühmten Felsen und der Blick über das Rheintal gehören für mich zu den Dingen, die man sich in dieser Region unbedingt einmal ansehen sollte.

Auch Oberwesel selbst möchte ich mir in Ruhe anschauen. Die historische Stadt, die Stadtmauer und die Lage direkt am Rhein machen den Ort auch unabhängig von Rhein in Flammen interessant.

In Boppard möchte ich ebenfalls vorbeischauen. Eine Fahrt mit dem Sessellift bietet einen schönen Blick über das Rheintal. Wer es sportlicher mag, kann dort auch einen Klettersteig ausprobieren.

Die Mosel ist ebenfalls nicht weit entfernt und bietet noch einmal ganz andere Landschaften und Ausflugsziele. Hier liegt auch die Burg Eltz, eine der schönsten mittelalterlichen Burgen überhaupt.

Ich werde mir also etwas einfallen lassen.

Sicherlich finde ich schöne Plätze für den Sonnenuntergang, entdecke kleinere Orte, die ich bisher noch nicht kenne, oder komme einfach spontan irgendwo am Rhein an. Eine Reise muss schließlich nicht immer genauso verlaufen wie geplant.