Thingvellir – Grabenbruchzone und historische Stätte

Þingvellir liegt etwa 40 km östlich der isländischen Hauptstadt Reykjavík am Nordufer des Sees Þingvallavatn. Das Gebiet liegt am Golden Circle und gehört zu Islands Top-Sehenswürdigkeiten. Seit 2004 ist der Nationalpark Teil des Weltkulturerbes der UNESCO.

Thingvellir als historische Stätte

Ab dem Jahr 939 versammelte sich hier das erste Parlament Islands, das Althing. Es fand jedes Jahr während zwei Wochen im Juni statt. Daran nahmen alle freie Männer aus ganz Island teil, um Streitigkeiten zu lösen und Recht zu sprechen. Im Jahr 1000 wurde in Þingvellir die Annahme des Christentums beschlossen. Es handelt sich um eines der ältesten Parlamente der Welt. Das Althing bestand bis 1798, als die Dänen es auflösten. Hier wurde auch am 17. Juni 1944 die Republik Island ausgerufen und 1994 deren Fünfzigjahrfeier begangen.

Heute sind am Rande des Parlamentsplatzes Lögberg und an mehreren Orten der Altmännerschlucht Almannagjá noch verwitterte und überwachsene Steinmauern zu sehen – Überreste der damals mit Zeltplanen überdachten Lagerstätten.

Zum 1000-jährigen Jubiläum des Althing wurde Þingvellir im Jahr 1930 zum Nationalpark erklärt.

Die geologische Bedeutung von Thingvellir

Þingvellir liegt inmitten einer Grabenbruchzone (westliche aktive Riftzone) und ist umgeben von vier aktiven Vulkansystemen, unter deren Einfluss die ganze Gegend steht. An diesem Ort und im weiteren Umfeld driften dazu die amerikanische und die eurasische Platte auseinander. Dies zeigt sich durch imposante Felsspalten und Risse, vor allem in der Almannagjá (Allmännerschlucht) und der Silfra-Spalte. Die tektonischen Verschiebungen lösen dazu häufig Erdbeben aus. In den letzten 10.000 Jahren ist das Land beiderseits der Schlucht Almannagjá um 70 Meter auseinandergedriftet und der Talboden hat sich um ca. 40 Meter gesenkt.

Ein Spaziergang durch Thingvellir

Die meisten Parkplätze sind kostenpflichtig. Wer (relativ) gut zu Fuß ist und ausreichend Zeit mitbringt (geschätzt: ca. zwei Stunden), kann am nördlichen Ende der Altmännerschlucht parken (war Herbst 2018 kostenfrei) und die gesamte Schlucht entlangwandern. Dabei kommst du am Fluss Öxará und am sehenswerten Wasserfall, dem Öxarárfoss, vorbei. Auf Höhe des Lögberg steigt die Schlucht an und du gelangst auf ein Plateau mit herrlicher Rundumsicht (inkl. Parkplatz, Kiosk und Toiletten). Von hier bietet sich der Abstieg zum Kirchlein und zur Silfra-Spalte an. Durch das Tal gelangst du zum Teich, in dem früher Ehebrecherinnen ertränkt wurden. Von hier aus geht es zurück zur Altmännerschlucht und zum Parkplatz.

Beste Reisezeit für den Thingvellir

Zusammen mit dem Wasserfall Gullfoss und den Geysiren des Haukadalur gehört Þingvellir zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands, dem sogenannten Golden Circle. Dieser ist leicht von Reykjavik aus an einem Tag zu schaffen und besonders im Sommer stark überlaufen. Deswegen bietet es sich an, entweder besonders früh oder besonders spät zu kommen – das Gelände ist frei zugänglich und die Sommernächte hell und kurz.

Auch im Winter kann man Thingvellir besuchen! Wie wäre es mit einer Silvesterreise unter dem flackernden Schein der mysteriösen Polarlichter auf ein neues Jahr anzustoßen?

Tauchen in der Silfragjá

Für Taucher ist es ein abolutes Highlight, im kristallklaren, blau schimmernden Wasser der Silfra-Spalte zwischen zwei auseinanderdriftenden Kontinentalplatten zu tauchen!

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