Gletscherlauf: Zeugnis vulkanischer Aktivität auf Island (Jökulhlaup)

Verformte Stahlträger nach einem Gletscherlauf

Bei einem Gletscherlauf entleert sich der unter einem Gletscher befindliche See. Als Folge stürzen Flutwellen ins Tal. Diesbezüglich hat sich der isländische Begriff Jökulhlaup in der Forschung durchgesetzt, da es hier immer wieder zu teils verheerenden Gletscherläufen gekommen ist. Die Flutwellen entstehen entweder durch stetiges Auftauen des Gletschers über einem Hochtemperaturgebiet oder beim Ausbruch eines Vulkans, der von einem Gletscher bedeckt ist, wie zum Beispiel bei der Katla, dem Eyjafjallajökull oder den Feuerbergen unter dem Eis des Vatnajökull.

Die Entstehung von Gletscherläufen

Stetiges Auftauen des Gletschers in Hochtemperaturgebieten

Hochtemperaturgebiete, die sich unter Gletschern befinden, schmelzen kontinuierlich das über ihnen befindliche Eis. Dementsprechend sammelt sich Wasser und bildet Becken oder Seen unter dem Gletscher. Ab einer gewissen grenze hält das Eis dem wasserdruck nicht mehr stand und Flutwellen ergießen sich ins Tal. Dies ist in aller Regel wenig dramatisch. Das Phänomen zeigt sich beispielsweise alle 2-3 Jahre am Fluss Skaftá in Island. Dabei werden Flussraten von 2.000 bis 5.000 m³/s produziert werden. Auch bei der Grimsvötn kommt es alle 4 bis 5 Jahre zu solchen kleinen Flutwellen.

Gletscherläufe aufgrund von Vulkanausbrüchen

Unberechenbar und oft auch verheerend sind dagegen Gletscherläufe, die durch Vulkanausbrüche entstehen. Durch die Wärme des Ausbruches schmilzt ein Teil der Eiskappe über dem Vulkan. Unter der nun dünneren Eisdecke bildet sich ein See. Wenn diese Barriere nachgibt, ergießt sich eine Flutwelle über Flüsse und Täler ins Meer. Diese reißt Eisblöcke, Geröll und Sand mit sich und formt so unter anderem die berühmten Sandwüsten Islands.

Gletscherläufe am Vatnajökull und am Myrdalsjökull

Der Ausbruch der Grimsvötn, 1996

Durch Gletscherläufe geprägte Sandebene

Der letzte große Gletscherlauf ereignete sich 1996 am Fluss Skeiðará nach einem Ausbruchs des Vulkansystems Grímsvötn. Der Vulkan Gjalp brach im Oktober aus. Die daraus resultierenden Schmelzwasser sammelten sich in subglazialen Seen über dem Zentralvulkan selbst. Da ein Gletscherlauf befürchtet wurde, sperrten die Behörden die Ringstraße. Bald darauf donnerte ein gewaltiger Gletscherlauf zu Tal, der ein Volumen von bis zu 45.000 m³ Wasser pro Sekunde und riss Teile der Ringstraße sowie eine Brücke mit sich fort. Bis zu zehn Meter hohe Eisblöcke wurden mittransportiert und lagen nach dem Ende des Gletscherlaufes in der Sanderebene Skeiðarársandur. Noch heute lassen sich die Reste der Brücke besuchen, die damals weggerissen wurde. Die Wucht der Wassermassen war so groß, dass sich selbst massive Stahlträger verformten.

Große bekannte Gletscherläufe des Grimsvötn fanden in folgenden Jahren statt:

1892
1934
1983
1996

Der Ausbruch der Katla 1918

Der letzte große Gletscherlauf der Katla fand im Jahre 1918 infolge einer explosiven Eruption des Vulkans statt. Die Wassermenge am Höhepunkt des Gletscherlaufs lag bei ca. 200.000 – 300.000 m³/s. Die Flutwellen bewegten sich mit einer Geschwindigkeit von ca. 15–20 km/h. Das Gesamtvolumen des Gletscherlaufs wird auf drei bis fünf km³ geschätzt und bedeckte mehr als die Hälfte des Mýrdalssandur (400 km²). Die Oberfläche der Sandebene hob sich durch das hinterlassene Material (0,5–1 km³ vulkanische Aschen und Ablagerungen) um ca. einen Meter.

Weitere berüchtigte Gletscherläufe der Katla sind für folgende Jahre überliefert:
1580
1612
1625
1660
1721
1755
1823

Gletscherläufe am Gullfoss

Der Wasserfall Gullfoss am Golden Circle wurde maßgeblich durch Jökulhlaup geformt. Die letzten beiden großen Gletscherläufe am Gullfoss geschahen 1930 und 1948. Dabei wurde die Schlucht völlig mit Wasser gefüllt, so dass die niedrigere Wasserfallstufe zeitweilig darunter verschwand.

Buchtipp: Historischer Island-Roman

Buchtipp: Die Sklavin des Kriegers von Runa Valgard – der historische Roman spielt u.a. in Thingvellir, am Kirkjufell, am Gullfoss und bei den Geysiren.

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