Die Laki-Krater auf Island

Stätte einer der verheerendsten Naturkatastrophen

Die Lakagígar (Laki-Krater) befinden im Süden Islands und sind von Kirkjubaejarklaustur relativ gut mit dem 4×4-Geländewagen oder einer Jeeptour erreichbar. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Kraterreihe zum Vulkansystem Grímsvötn gehört, da dieser im Jahr 1783 gleichzeitig mit den Laki-Kratern ausbrach. Der Ausbruch dauerte von August 1783 mit Unterbrechungen bis ins Jahr 1785.

Die Laki-Krater selbst bestehen aus ca. 130 bis 140 Schlackenkegel und Schweißschlackenkegel sowie zwei Tuffkegeln, die aneinandergereiht sind und sich über etwa 25 km in Südwest-Nordost-Richtung erstrecken. Sie verlaufen parallel zur Eldgjá, die Teil des Grabenbruchs der östlichen Vulkanzone Islands ist. Die Kraterreihe entstand während des Ausbruchs im 18. Jahrhundert, die von 1783 bis 1785 andauerte.

Der Laki-Ausbruch von 1783

Der Laki-Ausbruch war vor allem deswegen verheerend, weil eine große Menge giftiger Gase und Asche ausgestoßen wurde. Die Aschewolke führte zu einer Verdunkelung der Atmosphäre und zu einem deutlichen Temperatursturz, und das nicht nur in Island und Europa, sondern auch weiten Teilen der Welt. Die Sommer in den Jahren 1783 bis 1785 waren ungewöhnlich kurz, eine Dunstwolke, bestehend aus giftigen vulkanischen Gasen (insbesondere Schwefeldioxid) und fluoridhaltigen Partikeln schwebte vor allem über Nordeuropa. Daraus entstand der isländische Begriff „Nebelnot“.
Insgesamt stießen die Laki-Krater während der Eruptionen 8 Millionen Tonnen hochgiftiges Fluor aus. Dies bewirkte eine Vergiftung von Gewässern, Wiesen und Feldern. Menschen vergifteten sich, weil sie vergiftete Tiere aßen und verseuchtes Wasser tranken. Auch viele Tiere verendeten an einer chronischen Fluor-Vergifung. Dabei wird der giftige Stoff in Zähnen und Knochen abgelagert. Das Fluor regt diese zu weiterem Wachstum an, was Knochenverdickungen und brüchige Zähne zur Folge haben kann. Der Knochen verliert seine Elastizität und kann leicht brechen. Dazu kann es zu Blutungen und inneren Verletzungen kommen. Menschen und Tiere waren gleichermaßen betroffen. Einem Bericht zufolge gingen 80 % der Schafe sowie 50 % der Kühe und Pferde zugrunde, was zu Hungersnöten führte. Von den 50.000 Isländern starb etwa ein Viertel bis Anfang 1785 an den Folgen der Naturkatastrophe.

Ein paar Zahlen zum Ausbruch

Die 130 Laki-Krater stießen beim Ausbruch ein Gesamtvolumen von ungefähr 14,7 km³ basaltischer Lava aus, die eine Fläche von 600 km² bedeckte. Dazu kam ein Auswurf von 0,9 km³ lockerem Vulkansediment (Tephra). Einzig der Ausbruch von Eldgjá und Katla im Jahr 939 war noch verheerender.

Gewaltige Lavaströme

Der Ausbruch begann am Pfingstsonntag, dem 8. Juni 1783 mit einem massiven Lavaausfluss, der den Fluss Skafta innerhalb von nur drei Tagen komplett austrocknete. Unter großem Lärm füllte das glühende Gestein das Flussbett und wälzte sich zu Tal. 45 Tage dauerte er und hatte bis dahin die 100 Meter tiefe Schlucht des Flusses auf einer Länge von 27 km vollständig aufgefüllt und dabei 17 Bauernhöfe sowie deren Ländereien unter sich begraben. Er stoppte kurz vor der Kirche vor Kirkjubæjarklaustur. Ein weiterer sehr umfangreicher Lavastrom entsprang Anfang August und folgte dem Tal des Flusses Hverfisfljót. Noch heute sind die Lavaströme gut zu sehen. Wer an der Ringstraße von Skogar nach Kirkjubaejarklasutur fährt, durchquert erst die Sandebene Myrdalssandur und gelangt dann an das mittlerweile von Moos bewachsene Lavafeld Elhraun, das wahrhaft gigantische Ausmaße hat.

Der Laki-Ausbruch ist dank dem Pfarrer Jón Steingrímsson aus Kirkjubæjarklaustur gut dokumentiert, der einen Bericht darüber verfasste. Dazu hielt er mehrere gegen den Lavastrom gerichtete „Feuerpredigten“, die er im Jahre 1788 zusammen mit seiner Dokumentation herausgab.

Globale Auswirkungen des Laki-Ausbruchs

In Westeuropa wirkte sich der Ausbruch ebenfalls verheerend aus. Der Jetstream transportiere die Aschewolke und die giftigen Dämpfe nach Osten. Diese breiteten sich kreisförmig über Nordeuropa, Frankreich und die britischen Inseln aus. Der schwefelhaltige Nebel lag am 10. Juni über Bergen, am 16. Juni über Prag, am 17. Juni über Berlin, am 18. Juni über Paris, am 20. Juni über Le Havre und am 22. Juni über Großbritannien.

Dichter Nebel legte sich über das Meer und behinderte die Sicht, es kam angeblich zu Beinah-Zusammenstößen zwischen Schiffen. Die Schwefelsäure führte bei Landarbeitern zu einer höheren Sterberate, vor allem in Chartres und Großbritannien. Auf Malta wurde berichtet, dass am 20. Juni die Sonne aufgrund starken Nebels überhaupt nicht mehr zu sehen war. wurde am 20. Juni von einem so dichten Nebel bedeckt, dass die Sonne nicht mehr zu sehen war. England und Finnland litten unter dem giftigen Ascheregen. In ganz Europa war es ungewöhnlich neblig, ab September 1783 kam es zu schweren Regenfällen und Unwettern. Es folgte ein sehr kalter Winter 1783/84. In Großbritannien starben ca. 8000 Personen mehr als in einem normalen Winter. Im Osten der Vereinigten Staaten von Amerika lagen die durchschnittlichen Wintertemperaturen um 4,8 Grad Celsius unter dem 225-jährigen Mittel. Die gesamte nördliche Hemisphäre kühlte sich im Durchschnitt um 1,5 Grad Celsius ab. Der Naturforscher Benjamin Franklin sprach 1784 davon, dass sich „ein konstanter Nebel über ganz Europa und große Teile Nordamerikas gelegt habe“. Im Frühjahr 1784 kam es zu heftigen Überschwemmungen durch Schmelzwasser, die beispielsweise die Brücke in Heidelberg einstürzen ließ. Die Laki-Eruptionen gehören somit zu den folgenschwersten der letzten 2000 Jahre.

Viele Zeitgenossen konnten nicht einordnen, woher die neblige Witterung kam. Manche brachten es zum Beispiel mit Erdbeben in Süditalien in Zusammenhang.

Laki und Eldgjá

Parallel zu der Reihe der Laki-Krater verläuft die Eldgjá, was übersetzt Feuersspalte bedeutete. Die Schlucht liegt zwar nahe am Laki, gehört aber zum Vulkansystem der Katla. Im Jahre 939 kam es zu einem Ausbruch von Katla und Eldgjá gleichermaßen, der noch mehr Lava und Tephra ausstieß als der Laki-Ausbruch.

Die Gegend rund um die Laki-Krater wurde im Volksmund deswegen auch eldhéröð (dt. „die Feuerbezirke“) genannt.

Buchtipp zu den Laki-Kratern

Dieser englischsprachige Roman spielt in Island am Laki (auf amazon erhältlich): Chris Angus – The Gods of Laki, Thriller

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