Hypogäum Hal Saflieni – Malta Geheimtipp

 

Das unterirdische Hypogäum Hal Saflieni auf Malta ist ein wahrer Reise-Geheimtipp – und ein besonders exklusiver dazu. Denn die unterirdische Anlage aus der Steinzeit enthält weltweit einzigartige Fresken. Diese lassen sich nur schützen, wenn die Zahl der Besucher streng limitiert wird. Darüber hinaus ist fotografieren streng verboten, Taschen werden vor dem Besuch von Hal Saflieni weggeschlossen. Doch warum überhaupt der ganze Aufwand? Was ist das Besondere an Hal Saflieni?

Das Hypogäum von Hal Saflieni

Die Besonderheiten der steinzeitlichen Anlage

  • die größte, bisher entdeckte steinzeitliche, unterirdische Anlage auf Malta
  • steinzeitliche Fresken
  • Begräbnisstätte von über 7000 Menschen
  • drei Ebenen, die nur mit Geweihknochen und Steinwerkzeugen aus dem Fels geschlagen wurden
  • Weltkulturerbe der UNESCO

Das Hypogäum von Hal Saflieni liegt nahe dem Tempel von Tarxien im Bezirk Paola oberhalb von Marsa. Wiederentdeckt wurde das Hypogäum um 1914. Schnell wurde bekannt, welchen einzigartigen Fund die Bauarbeiter damals gemacht haben.

Da in der steinzeitlichen Anlage Knochen von über 7000 Menschen gefunden wurden, ist die gängige Theorie, dass es sich bei der Ablage von Hal Saflieni um eine Anlage für die Toten handelt. Ob es sich um einen unterirdischen Tempel handelt, in dem es Bestattungen gab oder um eine Begräbnisstätte mit einem integrierten Tempel ist nicht geklärt. Hal Saflieni wurde in etwa in der Zeit von 3200 bis 2500 vor Christus errichtet und genutzt. Die Knochen von über 7000 Menschen lassen Überlegungen zu, die von etwa 10 Bestattungen jährlich ausgehen. Somit relativiert sich die hohe Anzahl der gefundenen menschlichen Überreste.

Die Nutzung des Hypogäum

Hal Saflieni besitzt drei Ebenen. Die oberste Ebene war früher einmal ebenerdig. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Toten hier zunächst niedergelegt wurden, bis sie anfingen zu verwesen. Anschließend wurden sie eine Ebene tiefer gebettet. In der zweiten Ebene wurden an unterschiedlichen Orten Knochen gefunden. Besonders beeindruckend sind die fein gearbeiteten Nischen der Hauptkammer. Es ist nicht geklärt ob die Toten, die hier bestattet wurden, eine besonders heraustragende Funktion hatten. Fest scheint zu stehen, dass die Knochen nach einiger Zeit in Kammern der dritten, untersten Ebene umgebettet wurden und dort ihre letzte Ruhestätte fanden. Die archäologischen Funde belegen, dass das Hypogäum immer wieder erweitert wurde – besonders wohl dann, wenn die Kammern mit den Knochen voll waren und kaum noch Platz herrschte. Die Eingänge zur untersten Ebene liegen hoch – vermutlich, weil die Arbeiter aus einem Berg aus menschlichen Überresten standen, als sie neue Kammern in den Fels schlugen. Die Arbeitsbedingungen erscheinen uns heute unerträglich. Der Verwesungsgeruch muss unbeschreiblich gewesen sein. Dazu ist nicht geklärt, wie das Hypogäum damals ausgeleuchtet wurde. Vermutlich drang etwas Licht von der ersten Ebene herein. Vermutlich behalfen sich die Steinzeitlichen Handwerker auch mit einfachen Öllampen, von denen jedoch keine Spuren gefunden wurden.

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Das Allerheiligste und der Orakelraum

Insbesondere zwei Kammern des Hypogäums sind besonders interessant. Im Orakelraum sind steinzeitliche Fresken erhalten. Dabei handelt es sich um rote Spiralen, mit denen die Wand verziert wurde. Darüber hinaus herrscht in der Kammer ein merkwürdiges Echo, wenn man in eine bestimmte Nische hineinspricht. Dass die Steinzeitmenschen dieses Echo aktiv geschaffen haben, scheint unwahrscheinlich. Ob und wie sie es genutzt haben, lässt sich nicht mehr belegen.

Die Bedeutung des sogenannten Allerheiligsten ist ebenfalls rätselhaft. Zweifelsfrei handelt es sich dabei um die am feinsten ausgearbeitete Kammer im gesamten Hypogäum von Hal Saflieni. Die Wände wurden so behauen, dass der Vergleich mit den oberirdischen Tempelanlagen wie zum Beispiel des nahegelegenen Tempel von Tarxien direkt ins Auge sticht. Die Kammer, die hinter der prachtvollen Fassade liegt, wurde jedoch nicht fertiggestellt. Dies kann eventuell mit dem merkwürdigen Verschwinden aller steinzeitlichen baulichen Aktivitäten von 2500 bis 2000 vor Christus zu tun haben.

Das Hypogäum von Hal Saflieni lässt sich mit dem Xaghra-Kreis nahe Ggantija auf Gozo vergleichen. Auch hierbei handelte es sich ursprünglich wohl um eine unterirdische Anlage. Auch beim Xaghra-Kreis wurden Knochen gefunden. Diese bringen hoffentlich, sofern sie untersucht werden, weitere interessante Aufschlüsse über das Leben der steinzeitlichen Baumeister auf Malta.

Praktische Informationen

Wie eingangs erwähnt, ist der Zugang zum Hypogäum streng limitiert. Es wird empfohlen, die Tickets online zu kaufen (https://booking.heritagemalta.org). Grundsätzlich können Sie die Tickets auch im Archäologischen Museum von Valletta erstehen – oder direkt beim Hypogäum Hal Saflieni. Allerdings sind insbesondere in den Sommermonaten die Besuchertouren oft schon Wochen im Voraus ausgebucht. Der Eintritt zum Hypogäum beträgt 20 Euro.

Das Hypogäum sowie der Tempel von Tarxien sind gut mit dem Bus von Floriana aus zu erreichen. Im Hypogäum selbst gibt es ein Regal mit Büchern, eine Toilette sowie Platz für etwa 5 Menschen zum sitzen. Allen, die sehr zeitlich angekommen sind, sei ein Besuch der nahegelegenen Tempelanlage von Tarxien empfohlen.

Weitere Informationen zur Steinzeit und Bronzezeit auf Malta:

Megalith-Tempel von Malta

Steinzeittempel Mnajdra

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