Ġgantija – Steinzeittempel auf Gozo

Der Steinzeittempel Ġgantija auf Gozo ist gut erhalten und ein gutes Beispiel für die steinzeitlichen Bauten. Die Anlage wurde um 3600 vor Christus errichtet und ist eine der ersten Tempelanlagen auf der Inselgruppe. Aufgrund seines guten Erhaltungsstandes hat die Anlage einer ganzen Epoche ihren Namen gegeben.

Geographisch gesehen befindet sich Ġgantija auf einem 115 m hohen Plateaus über dem Ort Xagħra (Aussprache: Shahra). Die Anlagen sind nach Südosten ausgerichtet. Mit Ausnahme des Göbekli Tepe in Ostanatolien gilt Ġgantija  als die älteste, freistehende Tempelanlage der Welt.

Der Name Ggantija bedeutet übersetzt Turm der Riesen. Noch im 19. Jahrhundert glaubten Archäologen, dass Riesen die Anlage errichtet haben mussten. Über die steinzeitlichen Baumeister wissen wir tatsächlich sehr wenig – vor allem, weil uns weder schriftliche Aufzeichnungen noch hölzerne Gegenstände von ihnen erhalten geblieben sind.

Aufbau der Tempelanlage Ġgantija

Ġgantija besteht eigentlich aus zwei getrennten Anlagen. Zuerst ist der Südtempel entstanden. Er ist auch gleichzeitig der größere Tempel.

Beide Tempel bestehen aus einem mehrere Meter langen Gang, von dem jeweils pro Seite zwei Apsiden abzweigen. Darüber hinaus gibt es im Südtempel an der Kopfseite eine ausgebaute, fünfte Apsis. An der breitesten Stelle zwischen zwei Apsiden misst der Tempel 23 Meter.

Der Nordtempel ist jünger. Die Anlage entstand etwa um 3200 vor Christus. Warum ein zweiter Tempel nötig war, ist ein großes Rätsel. War der Südtempel einfach zzu klein geworden? Oder war jeder Tempel einer anderen Gottheit geweiht? Hat es sich überhaupt um Tempel gehandelt? Fragen, auf die wir vermutlich niemals eine Antwort erhalten werden. Um den Nord- und den Südtempel zu vereinen, wurde ein Teil der Nordmauer entfernt. Die Gänge in das Innere eines jeden Tempels zweigten von einem großen Vorhof ab.

Die Nischen sind teilweise mit fein behauenen Altären ausgestattet. Die Eingänge bestanden ursprünglich aus Trilithen. Bei diesem baulichen Merkmal wird ein aufliegender Deckstein von zwei Tragsteinen gehalten. Mehrere große Megalithen im Gang sind mit Löchern versehen worden – gegebenenfalls, um eine Art Tür oder Vorhang daran zu befestigen.

In einer der rechts abzweigenden Apsis im Nordtempel befinden sich Spuren von einer Feuerstelle. Die Tempelanlagen auf Malta waren ursprünglich überdacht. Es ist nicht sicher, ob die Feuerstelle dazu diente, Licht in die wohl düsteren Räume zu bringen oder ob dort Opferungen oder gar Bestattungen stattfanden.

In der Nähe der Tempelanlage Ġgantija wurde ebenfalls der Xagħra Kreis gefunden, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um eine unterirdische Grabanlage ähnlich dem Hypogäum von Hal Saflieni auf Malta handelt. Auch im Xagħra Kreis wurden Knochen gefunden, deren Untersuchung jedoch noch andauert. Ähnlich wie bei der Tempelanlage von Tarxien und dem Hypogäum von Hal Saflieni liegt auch bei Ġgantija und dem Xagħra Kreis die Vermutung nahe, dass beide Stätten einmal zusammengehörten.

Die Außenmauer von Ġgantija besteht, ähnlich wie bei Tarxien, aus hartem, schwer zu bearbeitenden Korallenkalkstein, während für die „Innenausstattung“ der deutlich weichere Globigeriner Kalkstein aus etwa einem Kilometer Entfernung geschlagen und herbeigeschafft werden musste. Die Außenmauer war einst über sieben Meter hoch. An der Südecke ist noch immer ein Teil erhalten, der über sechs Meter hoch ist. Dieser Teil musste mittlerweile durch eine Stahlkonstruktionen abgestützt werden. Archäologische Funde belegen, dass Ġgantija einst verputzt und mit Ocker bemalt war.

Praktische Informationen zu Ġgantija

Ġgantija ist mit dem Bus zu erreichen. Auch Jeeptouren sowie die großen Hop-on – Hop-off Busse halten an der Anlage. Anders als bei Mnajdra und Hajar Qim gibt es kein großes Besucherzentrum, wohl aber ein kleines Kiosk. Der Eintritt kostet fünf Euro pro Person.

Weitere Informationen:

Gozo Reisetipps – Verkehrsmittel